Kirchenkreisrat auf der Synode Februar 2026 in Neumünster
© Stefanie Rasmussen-Brodersen
Kirchenkreisrat auf der Synode Februar 2026 in Neumünster

Synode in Neumünster getagt

Zukunftswerkstatt und Haltungspapier beschlossen

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In Neumünster hat sich am Sonnabend, 28. Februar, die Synode des Ev.-Luth. Kirchenkreises Altholstein Am Alten Kirchhof getroffen. Das Kirchenparlament gab grünes Licht für die Gründung einer „Zukunftswerkstatt“ und beschloss ein Haltungspapier zum §218.

Bereits im Herbst 2025 hatte die Synode Altholstein über ihre Haltung zum Schwangerschaftsabruchsparagrafen (§218 StGB) diskutiert. Darin gilt ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich als strafbar, kann aber unter bestimmten Umständen (Beratung, Wartezeit, ärztliche Behandlung) straffrei sein. Kritiker verurteilen diese Verankerung im Strafgesetzbuch als Vorabstigmatisierung. Besonders aktuell wurde das Thema für die Synode, als fundamentalistische Christengruppen im letzten Jahr vor Familienberatungsstellen demonstrierten und Beratungssuchende bedrängten. Auch im Kirchenkreis Altholstein berät das Evangelische Beratungszentrum Kiel in sogenannten Schwangerschaftskonfliktfällen.

In Neumünster verabschiedeten die Kirchenvertreter nun ein Haltungspapier: Es sei besonders wichtig, so heißt es darin, dass die Beratung eine offene, unterstützende und nicht verurteilende Haltung einnehme. Frauen und Paare in Not sollen begleitet werden: „Den Beraterinnen und der Kirchenkreissynode ist bewusst, dass keine Schwangere leichtfertig einen Schwangerschaftsabbruch wählt.“ Das Haltungspapier sagt unter anderem: „Wir unterstützen grundsätzlich eine kostenlose, qualitativ hochwertige, barrierearme, ergebnisoffene und freiwillige Beratung im Schwangerschaftskonflikt. Grundlage dafür ist das protestantische Grundverständnis der Gewissensfreiheit.“ Die Synode Altholstein bezieht sich dabei unter anderem auf Äußerungen der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) zum Thema.

Dabei hält das Haltungspapier der Synode auch das grundlegende Dilemma der Diskussion fest: „Der Konflikt zwischen dem Recht der Frau auf Selbstbestimmung über ihren Körper und dem Recht des ungeborenen Lebens ist unauflösbar.“

Am Nachmittag nahm die Synode in Neumünster dann eine weitere Diskussion aus dem letzten Jahr auf: Personalmangel, sinkende Mitgliederzahlen, Kirche im Wandel. Welche Kirche brauchen wir für diese Herausforderungen? Das Kirchenparlament will dieser Diskussion eine Struktur geben und gründete in Neumünster eine „Zukunftswerkstatt“, in der 13 Haupt- und Ehrenamtliche das Thema stellvertretend weiterdenken sollen.

Erste Arbeitsaufträge für diesen neuen Ausschuss hatte zuvor eine Podiumsdiskussion auf der Sitzung zusammengetragen: Was muss vielleicht wegfallen, wenn finanzielle Mittel weniger werden? Wie darauf reagieren, dass Arbeit bei fehlenden Pastorinnen und Pastoren immer mehr auf andere Berufsgruppen in den Gemeinden und auch auf Ehrenamtliche verteilt werden muss? Mehrfach wurde sich der Mut auch zu unbequemen Entscheidungen gewünscht. Die „Zukunftswerkstatt“ der Synode soll nun die Arbeit aufnehmen und bestenfalls schon in der Junisynode einen ersten Zwischenstand berichten.

Einen Zwischenstand gab auch Pröpstin Almut Witt am Nachmittag der Sitzung in Neumünster über die Fortschritte in der Prävention vor sexualisierter Gewalt. Alle Kirchengemeinden sind angehalten, organisierte Schutzkonzepte dazu zu erarbeiten. Dabei sei schon der Weg ein Ziel. Durch die Suche nach Risiken und Lösungen sowie später durch die regelmäßige Aktualisierung der Konzepte ändere sich bereits das Arbeiten in den Kirchengemeinden, betonte Witt. „Wir sind es den Menschen, die zu uns kommen, die sich bei uns eingeladen lassen und zuhause fühlen und auch denjenigen, die ihre Kinder oder Angehörige bei uns gut aufgehoben wissen, schuldig, dass wir sichere Räume schaffen. Und auch, dass wir es ernstnehmen, wenn Vorfälle gemeldet werden.“

Bereits früher am Sitzungstag hatte die Versammlung den ersten Bericht über die Propstei Süd von Pröpstin Simone Pottmann gehört. Sie ist seit vier Monaten leitende Geistliche in Altholstein. Pottmann bedankte sich zunächst bei den vielen Menschen, die ihr den Einstieg erleichtert haben. Sie kündigte an, ihr erstes Jahr im Amt zu nutzen, um jede Kirchengemeinde in ihrem Bereich zu besuchen, sowie Dienste und Werke und mit allen Pastorinnen und Pastoren Jahresgespräche zu führen. Inzwischen ist Pottmann auch von Alveslohe an den Alten Kirchhof in Neumünster gezogen: „Erste Hunderunden sind gefunden und zum allerersten Mal in all den Jahren konnte ich zu Fuß zur Synode kommen!“

Stefanie Rasmussen-Brodersen,