Almut Witt, Janina mit Marlon, Tim Schedel, Fortunate mit Anni
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Almut Witt, Janina mit Marlon, Tim Schedel, Fortunate mit Anni (v. l.)

Mit den Füßen in der Ostsee

83 Taufen, rund 800 Gäste: Kiel feiert am 13. August das Tauffest am kleinen Strand.

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"Das ist einfach cool", findet Janina und blickt übers Wasser am Skagerrakufer im Kieler Stadtteil Pries-Friedrichsort. Als eine der ersten hat sie ihre beiden Kinder für das Tauffest angemeldet. Schnell stand für die 34-jährige Kielerin fest: "Wenn wir Anni und Marlon taufen lassen, dann so: draußen im Freien, an der Ostsee. Auch wenn das bestimmt chaotischer als in der Kirche wird." "Das ist auch für unsere Kinder schöner, viel spannender und ohne stillsitzen", findet Vater Fortunate (35).

Janina und Fortunate kommen am Sonnabend, 13. August, mit der ganzen Familie zum Tauffest ans Skagerrakufer - klar ist auch Oma mit dabei. Zusammen werden sie es sich auf der Picknickdecke auf der Wiese hinter dem Strand bequem machen, wenn um 11 Uhr der kurzweilige Gottesdienst beginnt. Mittendrin holt sie Pastor Tim Schedel ab: "Dann gehen wir runter zum Strand, stellen uns mit den Füßen ins Wasser, und ich taufe Anni und Marlon. Klar wird dabei mein Talar nass, aber der trocknet auch wieder", lacht der Theologe der Kieler Kirchengemeinde Heiligengeist. Mit ihm taufen noch elf weitere Pastorinnen und Pastoren die 81 Kinder und zwei Erwachsenen in der Ostsee, von Kronshagen quer durch die Landeshauptstadt bis nach Schönkirchen.

Angestoßen hat das "Tauffest am kleinen Strand" Almut Witt, Pröpstin des Ev.-Luth. Kirchenkreises Altholstein. "Ich bin wirklich aufgeregt und freue mich, dass so viele mitmachen", gesteht die gestandene Seelsorgerin. Weil wegen der Corona-Pandemie viele Familienfest ausfallen mussten, wollte sie mit der Taufe in der Kieler Förde ein etwas anderes Angebot machen. "Die große Resonanz zeigt, dass das für viele Familien stimmig ist. Kirche anders erleben, so wie sie in ihr Leben passt."

Für Fortunate und Janina passt das perfekt. "Da müssen wir uns auch nicht schick machen", meint Fortunate. Janina hat alle ihre Gäste gebeten, fürs gemeinsame Picknick nach der Taufe etwas mitzubringen. Obwohl sie obendrauf noch Pommes am Strand essen gehen wollen. Der Feierlichkeit der Taufe tut das für Vater Fortunate keinen Abbruch: "Meine Kinder sollen mit dem Glauben aufwachsen, dass es jemanden gibt, der stärker ist als ich. Dass ich zu jemanden beten kann, wenn ich mal verzweifelt bin. Deshalb ist es wichtig, dass Anni und Marlon getauft werden."

Jürgen Schindler,